
Was ergreift den Leser ihrer Verse, was beeindruckt so tief an dieser russischen Frau und Dichterin?
Da ist ein Frauenleben, das aus den letzten Jahrzehnten der Zarenzeit hinüberführt in die Jahre der Revolution, des Bürgerkrieges; das hineingezwungen wurde in die Emigration und einen völligen Neubeginn; da ist ein Leben, welches das Leid der Isolierung, des Ausgestoßenseins bestehen mußte; ein Leben, das schließlich, von Heimweh getrieben, in die von Grund auf umgewandelte alte Heimat zurückkehrte, das dort die Verhaftung der nächsten Angehörigen erfahren, das schließlich eine erneute, gewaltsame Umsiedlung in die fremde Welt Asiens erdulden mußte, aber dann endgültig nicht mehr weiter leben konnte. Welche Seelenkraft muß diese starke, ja wilde, urtümliche Frau besessen haben, daß sie in einer Lebenszeit von knapp 50 Jahren fast 30 Jahre des Kampfes mit den inneren und äußeren Widrigkeiten dieses furchtbaren Jahrhunderts durchhalten konnte! Und welche Stärke muß die Sehnsucht nach ihrem Mann und der alten Heimat gehabt haben, dass sie wenige Wochen vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in dies Land zurückkehrte: in dem Jahre, da das "Großdeutsche Reich" kriegsbereit den europäischen Staaten gegenüberstand. Marina Zwetajewa trank den Kelch des Leidens an diesem "verfluchten" Jahrhundert bis zur Neige...
Marina Zwetajewa war nur 6 Jahre jünger als Nikolaj Gumiljow, ihre schöpferische Tätigkeit währte jedoch 22 Jahre im Unterschied zu dem frühvollendeten Gumiljow.
Gumiljow war einer der "Frühvollendeten", wie Novalis, Hölderlin, Trakl, Byron, Keats. Die Dichtung Gumiljow's ist - trotz Krieg und den Anfängen der Revolution - gerundeter, geschlossener, auch stiller als die Zwetajewas. Gumiljow ist trotz Fronteinsatz im 1. Weltkrieg "ruhiger", näher an der realen Welt im Sinne der "Akmeisten", überlegener, tiefer auf Philosophisches, Philologisch-Mythisches sich einlassend. Er hatte sich nicht über viele Jahre hinweg mit den Ereignissen der Revolution, des Bürgerkrieges, der Sowjetisierung aller Lebensbereiche, schließlich mit der Tyrannei Stalins auseinanderzusetzen.
Gedichte
Übertragung ins Deutsche:
Hans-Ludwig hautumm
ISBN 3-9802064-5-9
9,95 Euro